„An die Eltern, die sich grade freuen: ab November gebe ich kein Personal mehr in die Kita“ – Aussage der Bürgermeisterin Frau Wiebke Sahin-Connolly in der Stadtverordnetenversammlung am 24.09.2026 im Anschluss an die nicht beschlossenen Schließung der Kita APONI.

Wie kann die Diskussion über die Schließung von zwei Kitas in der vergangenen Stadtverordnetenversammlung ein solches Ausmaß an fehlender Empathie und Rücksichtslosigkeit einnehmen? Ich bin schockiert über die Unprofessionalität im Umgang mit Kindern und tief betroffenen, weinenden Eltern.

Nach Auffassung der Bürgermeisterin hat sie alles unternommen, um die Kitas sozial verträglich und mit Zustimmung der Betroffenen „über die Bühne“ zu bringen. Nicht die Spur von Verständnis für die Eltern; dafür jedoch jede Menge Verdrehungen von Tatsachen und die eingangs zitierte, rücksichtslose Antwort der Bürgermeisterin, weil ihr Beschluss nicht die Mehrheit der Stadtverordneten fand.

 

Zur Schließungsgeschichte der Kita BIENENNEST, die ich sehr nahe miterlebte, weil sie meine dreijährige Enkelin betraf; die mich aber auch an der Betroffenheit von Eltern anderer zu schließenden Kitas teilhaben ließ.

Mit der Bekanntgabe, dass die Kita BIENENNEST (eine der beiden betroffenen Kitas) OHNE Angabe eines konkreten Datums, geschlossen wird, erfolgte am Mittwoch der ersten Septemberwoche die Aufforderung an die Eltern, der Stadt binnen zwei Tagen eine WUNSCHKITA(?) zu nennen. Dann folgte kurze Zeit später die Mitteilung, dass die Kita in zwei Monaten zum 31.10.2026 geschlossen wird. Ein Unding, wenn man die Konsequenzen betrachtet:

  • Kindern, die bis dahin gerne in ihre Kita gegangen sind, musste mitgeteilt werden, dass sie in eine neue, ihnen unbekannte Tagesbetreuung wechseln müssen,
  • Eltern sollten innerhalb von drei Tagen eine Wahl treffen, mit der sie sich noch nicht mal ansatzweise auseinandergesetzt hatten,
  • mitgeteilt wurde ein eingeschränktes Angebot an Einrichtungen, Nachfrage bei zumindest einer wohnortnahen Einrichtung ergab „derzeit kein Platz vorhanden“,
  • bei vielen ergab die Familienplanung „Jahresurlaub aufgebraucht“, keine Eingewöhnung möglich,
  • hinzu kam der Hinweis seitens der Verwaltung, dass eine Eingewöhnung in eine andere Kita innerhalb der Stadt Zossen gar nicht vorgesehen sei.

Alles stand auf dem Kopf. Wer glaubt, dass das alles keine Spuren hinterlässt, der hat die Tragweite der Kindertagesbetreuung von ein- bis sechsjährigen nicht im Ansatz verstanden. In den stattgefundenen Gesprächen, in denen mit den Eltern gesprochen wurde, herrschte auf Seiten der Stadtverwaltung Selbstgerechtigkeit und allem voran fehlende Empathie.

Der drängenden Bitte der Eltern, die Schließung auf das Ende des Kitajahres zum 31.07.2027 zu verschieben, um ihnen ein geordnetes Vorgehen zu ermöglichen, wurde mit dem Argument der Vorgaben externer Behörden beiseitegeschoben.

Tatsächlich aber ist es so, dass von Seiten der Stadtverwaltung genau diese externen Behörden eingeschaltet wurden, um den Schließungsvorgang zu beschleunigen. Mit diesem Ablenkungsmanöver sollte umgesetzt werden, was aus eigener Kraft so nie hätte gelingen können. Die gewünschte Benennung vorhandener Mängel und deren möglichst kurzfristige Beseitigung, welche der Kommune seit Jahren bekannt sind und der damit zusammenhängender Gefahren für Kinder und Erzieher, die billigend in Kauf genommen wurden, unterlagen kurzerhand den eigenen Interessen. Hier handelt es sich um nichts anderes, als dass das eigene Organisationsversagen der möglichst schnellen Schließung dienlich gemacht wurde.

Um das Vorhaben nicht als völlig gegen Kinder und Eltern gerichtet aussehen zu lassen, wurde auf Drängen der Eltern der halbherzige Versuch unternommen, die externen Behörden um einen Aufschub der Mängelbeseitigung aufgrund des Anliegens der Eltern zu bitten. Nicht der Träger bat um Aufschub, sondern er schob das Anliegen der Eltern vor. Wohlwissend, dass damit kein Gewicht auf eine Verschiebung der Schließung verbunden war.

Im weiteren Verfahren erklärte die Bürgermeisterin immer wieder, dass ihr „die Hände gebunden seien“ und sie sogar von der Kommunalaufsicht für die Genehmigung des Haushaltssicherungskonzeptes zur Schließung gezwungen(!) sei. Dieser angebliche Zwang ist weder schlüssig noch rechtlich möglich. Er wurde einfach als weiteres Zwangsargument eingebracht. Allein die Feststellung der Kommunalaufsicht, dass es sich bei Kindertagesstätten um eine freiwillige kommunale Aufgabe handelt, entbehrt jeder Rechtsgrundlage.

Fragen zum rechtlich durch das Kitagesetz vorgegeben Vorgehen, wann die Anhörung (nicht die Information) des Kitaausschusses, die Anhörung des Kreis-Kitaelterbeirates und die Meldung an die Kreisverwaltung zur Einordnung der Schließung in die Kitabedarfsplanung stattgefunden hat, waren in der Einwohnerfragestunde der Stadtverordnetenversammlung noch nicht einmal eine Antwort wert.

Für ein rücksichtsvolles und verantwortungsvolles Vorgehen von der Bekanntgabe der Schließung bis zur Umsetzung wären 12 Monate zustimmungsfähig gewesen; nicht aber zwei Monate. Dafür aber hätte auf verschiedene unredliche Aktivitäten verzichtet werden müssen.

Mit dem Kopf durch die Wand, um am Ende über eine von zwei Schließungsanträgen eine hohe Selbstzufriedenheit verbuchen zu können, mag im ersten Moment das eigene Ego stärken, aber längerfristig ist das ein nachhaltiges Ergebnis, was Vertrauen in verantwortliches behördliches Handeln und in Personen zerstört.

 

Hinweise zu meiner „persönlichen Betroffenheit“

Ich bin keine Stadtverordnete und nur Mitglied des Kreistages Teltow-Fläming. Das versetzt mich in die vorteilhafte Situation, bei politischen Entscheidungen der Stadtverordnetenversammlung Zossen nicht im Spannungsfeld zwischen Moral und Pragmatismus zu stehen.

Meine bereits erwähnte persönliche Betroffenheit ermöglichte mir einen direkten Zugang zu den massiven Auswirkungen dieses stadtpolitischen Themas. Und ich komme zu dem Ergebnis, dass wir eine solche politische Vorgehensweise nicht gutheißen dürfen.

Ich hoffe, nicht nur mir wurde deutlich, dass bei politischen Entscheidungen Fairness gegenüber den betroffenen Menschen – also hier die beste Lösung für Kinder und ihre Familien einem „der Zweck heiligt die Mittel“-Handeln nicht unterliegen darf.

Eltern wandten sich aufgrund der zu hohen Instandsetzungskosten nicht gegen die Schließung von Kitas – sie wandten sich also nicht gegen notwendiges Handeln! Sie forderten lediglich Rücksicht auf ihre Kinder und familiäre Situation – sie wünschten also die Einhaltung von Fairness als Kompas für die anstehenden Entscheidungen.

Die Kritikerinnen und Kritiker meiner Sicht auf das Vorgehen bitte ich, weniger meine persönliche Betroffenheit zu argumentieren, als vielmehr das Verständnis der Bürgerinnen und Bürger für ihre Entscheidungen in ihr politisches Handeln einzubeziehen und zu berücksichtigen.

 

Ria von Schrötter                                                                                                              30.09.2026

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